“Japan’s Nuclear Situation – be a bit worried”

Auf der Suche nach verlässlichen Informationen dazu, was derzeit in Japan, speziell in Fukushima vor sich geht (die reißerischen deutschen Medien sind dabei leider nicht sehr hilfreich), bin ich auf einen Text im Something-Awful-Forum gestoßen, den ich dermaßen gut und informativ fand, dass ich ihn direkt für ein deutsches Publikum, das keine Lust hat, sich durch derartige Textmassen auf Englisch zu wühlen übersetzt habe. Den Originaltext findet ihr unter

http://forums.somethingawful.com/showthread.php?threadid=3396817

Bitte beachtet, dass ich keine Verantwortung für die vollständige Korrektheit dieser Informationen übernehme. Außerdem weiß ich nicht, ob ich jeden technischen Ausdruck korrekt übersetzt habe. Dennoch sollte der Text klar verständlich sein. Guten Englisch-Sprechern empfehle ich aber auf jeden Fall das Original. Dort findet ihr auch mehr direkte Verweise und Links auf weiterführende Informationen. (Am 16. und 17. März die Udates aus dem Original-Post ebenfalls übersetzt und eingefügt.)

UPDATE: 16. März, 7:00 Uhr GMT: Die derzeitige Situation ist extrem schwankend. Sicher ist, dass die Arbeiter von Fukushima Eins zurück gekehrt sind. Das Kraftwerk wurde nicht aufgegeben. Der Zustand der verbrauchten Brennstäbe im Reaktorgebäude #4 ist derzeit die dringlichste Angelegenheit, und gleichzeitig die, über die es am wenigsten Informationen gibt. Reaktor #1, #2 und #3 sind semi-stabil, da die Flutung mit Meerwasser fortgesetzt wurde, obwohl es unbestätigte Berichte eines Kühlungslecks in #2 und einer externen Dampf-Generierung (aber kein Leck) in #3 gibt. Bitte genießt diese Informationen mit Vorsicht!

UPDATE, 17. März, 5:00 Uhr GMT: Eine aktuelle Zusammenfassung aus diesem Post von Foren-Moderator Inspector 71:

Zitat:
“JSDF-Helikopter haben Wasser auf die Gebäude von #3 und #4 abgeworfen, Wasserwerfer werden vor dem Kraftwerk in Position gebracht, TEPCO hofft, bis heute Abend wieder Strom zu haben.

Die Temperatur in den Becken für die benutzten Brennstäbe in Reaktor #5 und #6 hat sich erhöht, allerdings nur um 4°C im einen und ca. 20°C im anderen. Diese Gebäude sind völlig intakt, weswegen, sobald der Strom wiederhergestellt ist, diese Sache völlig vom Tisch sein wird und auch jetzt ist die Priorität ziemlich niedrig.

Zurzeit sind 180 Arbeiter auf dem Gelände, die an der Kontrolle des Reaktors und an der Beseitigung der Ablagerungen arbeiten.

Nach allem, was in den Pressekonferenzen besprochen wurde, ist das derzeitige Thema die Situation der Becken mit den verbrauchten Brennstäben, nicht die Reaktoren selber.”

Später wurde berichtet, dass die Crew der JSDF-Helikopter den Wasserstand im Becken für verbrauchte Brennstäbe in Gebäude #4 überprüft hat und gesagt hat, dass der Stand sehr hoch sei. Das bedeutet entweder, dass die vorherigen Reporte über niedrige Stände falsch waren, oder dass das Wasserabwerfen funktioniert hat, was an ein Wunder grenzen würde. Egal wie man es sieht, es sind fantastische Neuigkeiten.

Was zur Hölle geht hier vor sich?

Nach dem aktuellen Erdbeben und dem Tsunami in Japan haben zwei Atomkraftwerke an der Ostküste Japans Schwierigkeiten. Es gibt Fukushima Daiichi („daiichi“ heißt „Nummer Eins“) und Fukushina Daini („Nummer Zwei“), die von der Tokyo Electric Power Company (TEPCO) betrieben werden. Fukushima Eins hat sechs Reaktoren, Zwei hat vier. Die problematischen Reaktoren sind #1, #2, #3 und – wenn auch auf andere Weise – #4 in Fukushima Eins. Die Reaktoren 1 – 3 sind die ältesten aller zehn Reaktoren und sollten noch dieses Jahr abgeschaltet werden.

Kurz gesagt haben das Erdbeben und der Tsunami die Kühlungssysteme in diesen Reaktoren eingeschränkt, was es TEPCO schwierig macht, sie vollständig herunterzufahren. Die Reaktoren #1 und #3 gelten derzeit als sicher, nachdem sie mit Meereswasser geflutet wurden. In Reaktor #2 wird noch der Meerwasser-Injektions-Prozess durchgeführt, es gibt allerdings mehrere Komplikationen. Die Reaktoren 4 – 6 wurden bereits vor dem Erdbeben für eine Inspektion heruntergefahren, allerdings gab es im Gebäude, das Reaktor #4 beinhaltet, ein Feuer, das aber nicht mit dem Reaktorkern in Verbindung steht.

Die Kühlungssysteme in Fukushima Zwei wurden nicht beeinträchtigt und wurden normal heruntergefahren.

Es wurde ein Evakuierungs-Radius 20 km um Fukushima Eins und 10 km um Fukushima Zwei festgesetzt. Aufgrund der aktuellen Ereignisse hat der Premierminister die Menschen zwischen 20 und 30 km um Fukushima Eins gebeten, zurzeit im Haus zu bleiben.

Woher stammen diese Informationen?

Diese FAQ basiert auf Informationen aus Primärquellen: Pressekonferenzen der japanischen Regierung und TEPCO, wie sie im japanischen Fernsehen gezeigt wurden, TEPCO Pressemitteilungen, unabhängige Dokumentationen über die Art des Reaktors und Aussagen der japanischen Atomsicherheitskommission, der japanischen Nuclear and Industrial Safety Agency und der Internationalen Atomenergie-Organisation.

Kann es zu einer nuklearen Explosion kommen?

NEIN. Es ist physikalisch unmöglich, dass ein Atomkraftwerk wie eine nukleare Waffe explodiert.

Atombomben funktionieren durch das Verursachen einer überkritischen Atomspaltung in einem sehr kleinen Raum in einem unglaublich geringen Zeitraum. Dies ist möglich durch die die Nutzung präzise designter explosiver Ladungen um mehrere subkritische Massen nuklearen Materials so schnell zu kombinieren, dass sie die kritische Stufe überspringen und direkt überkritisch werden, und das mit genug Kraft, dass die resultierende überkritische Masse nicht schmelzen oder sich selbst wegstoßen kann, bevor das gesamte Material gespalten wurde. Dies erfordert eine extrem präzise Konstruktion, weswegen der Bau einer Atombombe kein einfacher Vorgang ist, unabhängig von der Einfachheit der Idee.

Neuere Atomkraftwerke sind um subkritische Massen radioaktiven Materials designt, die dann so manipuliert werden, dass ein begrenzter überkritischer Status erreicht wird, um eine andauernde Kernspaltung durch den Gebrauch von Neutronen-Moderatoren zu erzielen. Die bei dieser Spaltung entstehende Hitze wird benutzt, um Wasser in Dampf zu verwandeln, der Generatorturbinen antreibt. (Dies ist eine drastische Vereinfachung.) Sie sind nicht in der Lage, wie eine Bombe zu explodieren; würde ein Reaktorkern eine unkontrollierte überkritische Reaktion erfahren, würde die produzierte Energie den Kernbrennstoff schmelzen, anstatt ihn zum Explodieren zu bringen, was die Bauer von Atombomben so hart zu verhindern versuchen.

Eine Atombombe zu bauen ist sehr schwierig und es ist komplett ausgeschlossen, dass ein Kernreaktor zufällig zu einer Bombe wird. Sekundäre Systeme, wie die Kühlung oder die Turbinen, können durch zu hohen Druck explodieren, aber dies sind keine nuklearen Explosionen.

Ist dies eine Kernschmelze?

Technisch gesehen ja, aber nicht so, wie die meisten Menschen denken.

Der Ausdruck „Kernschmelze“ wird innerhalb der Atomindustrie nicht benutzt, weil er viel zu unspezifisch ist. Das populäre Bild einer Kernschmelze ist, dass der Brennstoffkern eines Reaktors außer Kontrolle gerät und durch das Containment schmilzt. Dies ist jedoch nicht geschehen, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass dies noch geschieht, schwer zu bestimmen ist.

Was in Reaktor #1 und #3 passiert ist, ist eine „teilweise Brennstoffschmelze“. Das bedeutet, dass der Brennstoffkern durch die Hitze beschädigt wurde, das Containment aber noch intakt und kein Brennstoff ausgetreten ist. In Kern #2 wird ein geringer Schaden vermutet. In Reaktor #2 hält das Containment, es besteht aber immer noch ein Risiko, obwohl die Wasserhöhe steigt und weiter Wasser hinein gepumpt wird.

Wie konnte das geschehen? Gibt es dort keine Sicherheitssysteme?

Als die Erdbeben in Japan am 11. März stattfanden, gab es in allen zehn Reaktoren einen „Scram“, d.h. ihre control rods (?) wurden automatisch eingefügt. Dadurch wurde der aktive Spaltungsprozess ausgeschaltet, und der Kerne sind seitdem abgeschaltet geblieben.

Das Problem ist, dass auch ein ausgeschalteter Reaktorkern „Zerfallswärme“ generiert, wodurch Kühlung benötigt wird. Unter normalen Umständen benötigen die Kerne aktive Kühlung für mehrere Tage bis hin zu einer Woche, bevor sie den Status einer „Kaltabschaltung“ erreichen. Der Tsunami allerdings beschädigte die externen Generatoren, die die Kraftwerke genutzt haben, um ihre Kühlungssysteme zu betreiben. Das bedeutet, obwohl die Kerne abgeschaltet waren, haben sie weiterhin das Wasser abgekocht, das als Kühlung verwendet wurde, da sie noch nicht in der Kaltabschaltung waren.

Dies verursachte zwei weitere Probleme. Zunächst verursachte der der Dampf einen hohen Druck innerhalb der Containments. Außerdem wurden durch das Sinken des Wasserstandes Teile der Brennstäbe der Luft innerhalb des Containments ausgesetzt, was für ein schnelleres Ansteigen der Temperatur sorgte. Die Hitze beschädigte dann den Kern.

Was hat das mit den Brennstäben an der Luft zu bedeuten?

Wenn der Stand der Kühlung innerhalb der Reaktoren niedrig genug sinkt, werden Oberseiten der Brennstäbe der Luft innerhalb des Containments ausgesetzt. Sie sind nicht in der Atmosphäre und die Containments sind immer noch intakt. Wenn Nachrichten über „Brennstäbe, die der Luft ausgesetzt sind“ berichten, meinen sie das.

Was wird getan? Und was ist mit den Explosionen?

Von Anfang an hatte TEPCO die Option, die Reaktorkammern mit Boron-angereichertem Meereswasser zu fluten, was dann die normalen Kühlungssysteme ersetzt und die normale Kühlung der Reaktoren ermöglicht hätte. Unglücklicherweise zerstört dies auch die Reaktoren dauerhaft, aufgrund von Korrosion und anderer Faktoren. Dies würde TEPCO und die japanischen Steuerzahler Milliarden Dollar kosten, auch wenn die Reaktoren kurz vor der Abschaltung standen. Noch wichtiger: Die Reaktoren würden während eines nationalen Desasters keine Elektrizität produzieren. Die Meerwasser-Methode ist in diesem Sinne die „letzte Zuflucht“, aber es ist immer eine Option gewesen.

Um dies zu vermeiden hat TEPCO Schritte in die Wege geleitet, um die Kühlungssysteme wieder ans Netz zu bringen und den Druck innerhalb des Containments zu reduzieren. Dies beinhaltete das Anschließen tragbarer Generatoren, die Reparatur beschädigter Systeme, das Ablassen von Dampf und Gasen aus dem Containment und andere Maßnahmen. Diese Methoden funktionierten bei Reaktor #2 in Fukushima, bevor es dort zu weiteren Komplikationen kam; Reaktor 4 – 6 waren bereits vor dem Erdbeben abgeschaltet worden. Reaktor #1 und #3 allerdings reagierten nicht auf diese Versuche, weswegen entschieden wurde, sie mit Meerwasser zu fluten.

Eines der Nebenprodukte von Reaktoren wie denen in Fukushima ist Wasserstoff. Normalerweise wird dieses Gas langsam abgelassen und verbrannt. Mehr Wasserstoff als üblich könnte durch den Schaden in den Brennstoffkernen in Reaktor #1 und #3 generiert worden sein. Aufgrund der Natur des Unfalls wurde der abgelassene Wasserstoff nicht vernünftig verbrannt, bevor er freigesetzt wurde. Dies führte zu einer Ansammlung von Wasserstoff-Gas im Gebäude von Reaktor #1, aber außerhalb des Containments.

Während der Flutung von Reaktor #1 entzündete sich das Gas, was die Explosion der – größtenteils kosmetischen – äußeren Hülle bewirke. Diese Hülle war aus Blech auf einem Stahlgerüst, und es benötigte keine besonders große Kraft, sie zu zerstören. Der Reaktor selber wurde nicht beschädigt, und es gab nur vier geringere Verletzungen. Dies was eine konventionelle chemische Reaktion und keine nukleare Explosion.

Auf diesem Foto ist sichtbar, was passiert ist. Beachtet, dass der Reaktor, abgesehen von der Blechhülle, intakt ist. Das Containment ist nicht gebrochen und schließlich wurde der Wasserstand in Reaktor #1 als stabil bezeichnet, die Brennstäbe nicht der Luft ausgesetzt und der Reaktor entwickelte sich weiter in Richtung Kaltabschaltung.

Um ungefähr 2:30 Uhr GMT am 14. März gab es eine ähnliche Explosion im Gebäude von Reaktor #3. Diese Explosion kam nicht unerwartet, da TEPCO vor der Möglichkeit gewarnt hat. Es wurde bekannt gegeben, dass das Containment nicht beschädigt war und der Flutungsprozess weiter von statten ging. Schließlich wurde auch dieser Reaktor für stabil erklärt.

Um 7:30 Uhr wurde bekannt gegeben, dass die Reaktion in Reaktor #3 die bereits hinkende Kühlung in Reaktor #2 beschädigt hatte. Die Meerwasser-Methode wurde nun auch hier angewendet.

Um 21:00 Uhr geschah etwas Ungeklärtes innerhalb des suppression pools (?) in Reaktor #2, was zu einem lauten Geräusch und zu einem Sinken des Druckes innerhalb des pools führte.

Was genau passierte, ist unklar, aber der Wasserstand und der Druck innerhalb des Containments selber sind unverändert. Nicht mehr benötigtes Personal wurde als Vorsichtsmaßnahme evakuiert, was der offiziellen Prozedur entspricht. Es wird weiter Meerwasser in Reaktor #2 gepumpt, mit einigem Erfolg. Berichten zufolge, sind die Brennstäbe zum Teil Luft ausgesetzt, allerdings mit einem steigenden Wasserstand. Es ist nicht bekannt, was der Langzeiteffekt des Ereignisses im suppression pool sein wird, da er primär während der Stromgenerierung durch die Turbinen benötigt wird.

Was ist mit dem Feuer?

Reaktor #4 war in Kaltabschaltung und galt ursprünglich nicht als Risiko. Nach dem Vorfall im suppression pool in Reaktor #2 wurde allerdings enthüllt, dass das Gebäude von Reaktor #4 einige Zeit zuvor Feuer gefangen hatte. Die genaue Ursache ist nicht bekannt, aber der wahrscheinlichste Grund ist die Explosion im Gebäude von Reaktor #3. Das Feuer wurde mittlerweile gelöscht.

Berichte zeigen, dass das Feuer das Speicherbecken mit benutzten Brennstäben betroffen haben könnte. Das könnte mit dem plötzlichen Anstieg der Radioaktivität in der Umgebung in Verbindung stehen (s.u.).

Gibt es ein Strahlungs-Leck?

Das ist eine schwierige Frage. Um sie angemessen zu beantworten, müssen wir zunächst die Art und Weise, wie Strahlung gemessen wird, klären.

Es gibt dazu verschiedene Methoden. In diesem Fall werden wir „Gray“ (Gy) und „Sievert“ (Sv) benutzen. Innerhalb dieses Artikels sind sie äquivalent. Die Strahlung außerhalb der problematischen Fukushima-Reaktoren wird derzeit im microSv-Bereich, also im Bereich von einem Millionstel eines Sv gemessen. http://www.merckmanuals.com/professional/sec21/ch317/ch317a.html#sec21-ch317-ch317a-610 zeigt die Auswirkungen verschiedener Strahlungsniveaus. Zum Vergleich gibt es auch eine Tabelle von Strahlungsniveaus, denen ein Mensch normalerweise ausgesetzt ist (z.B. von Röntgenstrahlen und Flügen). Strahlung ist bis zu einem Niveau von ca. 1 Sv kein unmittelbares Gesundheitsrisiko. Allerdings addiert sich die Strahlung auf, falls keine substanzielle Zeitspanne zwischen den Aussetzungen liegt.

Das Containment der Reaktoren ist zu diesem Zeitpunkt nicht gebrochen. Soweit wir wissen, gibt es kein Leck oder Ähnliches. Das bedeutet allerdings nicht, dass es in der Umgebung von Fukushima Eins keine höhere Strahlung gibt – aus diversen Gründen.

Ein Grund für das höhere Niveau im direkten Umkreis des Kraftwerks ist die gewollte Freisetzung radioaktiven Dampfes. Das Niveau steigt während des Auslassens in den Bereich von 700 – 1500 microSv pro Stunde und sinkt dann sehr schnell wieder auf ein fast normales Hintergrundniveau, da das radioaktive Material in diesem Dampf nur eine sehr kurze Halbwerts-Zeit hat. Das Ablassen findet statt, um den Druck innerhalb der Containments zu senken.

Zudem gab es mit dem Dampf sehr geringe Freisetzungen von Nebenprodukten wie Caesium und Jod. Dieses Material ist weniger radioaktiv als der typische Auswurf von Kohlekraftwerken und hat nur eine sehr geringe Halbwerts-Zeit. Es ist in der Hinsicht signifikant, als dass es ein Zeichen für eine Beschädigung des Kerns ist.

Trotzdem gab es ungefähr simultan zum Vorfall im suppression pool in Reaktor #2 and dem Feuer im Gebäude von Reaktor #4 einen alarmierenden Anstieg der Radioaktivität. Mittlerweile ist das Niveau wieder gesunken, aber für einen kurzen Zeitraum war die Strahlung in der Umgebung gefährlich hoch, im Bereich von 400 milliSv pro Stunde in der Umgebung von Reaktor #4.

Diese Niveaus hielten nicht länger als einige Minuten und sind seitdem auf ein weniger gefährliches Niveau gesunken. Die letzte verfügbare Information zeigt 489,8 microSv pro Stunde und ein weiteres Sinken des Niveaus. Es ist derzeit nicht bekannt, was diesen Anstieg auslöste, aber das Feuer im Becken mit den benutzten Brennstäben im Gebäude von Reaktor #4 ist ein Hauptverdächtiger.

Ist Tokio in Gefahr?

Derzeit sind die gemessenen Strahlungsniveaus ein wenig höher als normal in vielen Gebieten Japans, was Teile Tokios beinhaltet. Allerdings sind sie immer noch im ein- oder zweistelligen microSv-Bereich, weit unter jeder Gefahr.

Dies bedeutet nicht, dass sich das nicht ändern wird. Ereignisse wie der Brand der benutzten Brennstäbe könnten weitreichendere Probleme verursachen, abhängig von der Ernsthaftigkeit des Vorfalls.

Ist eine „China Syndrome“-Kernschmelze möglich?

Definitv nein, da jede Brennstoffschmelze in Fukushima begrenzt sein wird, da der Brennstoff physikalisch nicht in der Lage ist, von sich aus eine Kernspaltungs-Reaktion hervorzurufen. Dies liegt am Design der Reaktoren als Leichtwasser-Reaktor (LWR)

In einem LWR wird Wasser sowohl als Kühler für den Brennstoffkern und als „Neutronen-Moderator“ benutzt. Was ein Neutronen-Moderator tut, ist sehr kompliziert und technisch, aber kurz gesagt, bricht die Kernspaltungs-Reaktion ab, sobald der Moderator entfernt wird.

Ein LWR-Design begrenzt den Schaden einer Kernschmelze, denn wenn der gesamte Kühler abgekocht wird, setzt sich die Reaktion nicht fort, da der Kühler gleichzeitig der Moderator ist. Der Kern wird ausschließlich Zerfallswärme erzeugen, die zwar gefährlich und stark genug ist, den Kern zu schmelzen, aber nicht annähernd so gefährlich wie eine aktive Spaltungsreaktion.

Das Containment in Fukushima SOLLTE stark genug sein, nicht zu brechen, auch nicht während einer Zerfallswärme-Schmelze. Die Menge der Energie, die durch den Zefall produziert werden könnte, kann einfach berechnet werden und es ist möglich einen Behälter zu bauen, der dieser Energie widersteht. Falls er das nicht tut, und der Kern durch den Boden des Behälters schmilzt, wird er in einer Barriere unter dem Reaktor enden. Es ist beinahe unmöglich, dass eine Brennstoffschmelze durch Verfall dieser Barriere etwas anhat. Ein Containment-Versagen wie dieses würde zwar eine Menge Säuberungsarbeiten verursachen, aber kein Entweichen radioaktiven Materials in die äußere Umwelt.

Ein Worst-Case-Szenario in Bezug auf die kerne ist ein Containment-Versagen kombiniert mit einem unkontrollierten Austretens radioaktiven Dampfes. Das hätte eine lokale und temporäre Steigerung der Radioaktivität, ähnlich, wie es bereits der Fall ist (s.u.) zur Folge, würde aber kein wirkliches Entweichen nuklearen Brennstoffs oder weitreichende Kontaminierung zur Folge haben. Es ist die MÖGLICHKEIT, die zu den Evakuierungen führt.

Es scheint, als sei das Kühlungsproblem größtenteils, wenn auch nicht vollständig, durch die Flutung der Kammern gelöst worden. Reaktor #1 und #3 haben stabile Wasserstände und das Risiko einer weiteren Kernschmelze gilt als äußerst gering. Reaktor #2 hatte weiterhin Problem, und es wurde soeben verkündet, dass der Wasserfluss wieder eingesetzt hätte.

Ich habe gehört, dass eine radioaktive Wolke über den Pazifik kommt.

So wie er aktuell aussieht, ist der Dampf, der von Japan nach Osten geweht wird, weniger gefährlich als ein Jahr in Denver zu leben. FALLS er über den Ozean kommt, wird er zum Ankunftszeitpunkt fast unbemerkbar sein und vollständig harmlos, weil das gefährliche Material im Dampf bis dahin zerfallen sein wird.

Der US Aircraft Transporter Ronald Reagan hat die Wolke passiert und keinen Langzeitschaden erlitten. Das Material wurde mit Wasser und Seife entfernt und das Schiff gilt nun als kontaminierungsfrei.

Zukünftige Vorfälle können gefährlichere Wolken verursachen, aber es bleibt unwahrscheinlich, dass irgendetwas Gefährliches den Pazifik überqueren und dabei gefährlich bleiben könnte. Der Unfall in Tschernobyl schleuderte Unmengen an radioaktivem Material in die Luft, und es war nicht in der Lage, sich weiter als 1500 Meilen zu verbreiten, was weniger als die Hälfte der Distanz zu den USA beträgt.

Müssen wir uns über Fukushima Zwei Sorgen machen?

Die vier Reaktoren in Fukushima Zwei haben keine Schäden an ihrer externen Stromversorgung durch den Tsunami erlitten und arbeiten normal, wie es für den abgeschalteten Zustand zu erwarten ist. Es wurde kein Lüften erforderlich, and die Reaktoren #1, #2 und #3 sind bereits vollständig in der Kaltabschaltung.

Kann dies wie Tschernobyl enden?

Nein, kann es nicht. Aus verschiedenen Gründen:

-          Tschernobyl verwendete Graphit als Neutronen-Moderator und Wasser als Kühler. Aus komplizierten Gründen führte dies zu einer Erhitzung und Verdampfung des Kühlers, die Spaltungsreaktionen intensivierten sich und verwandelten noch mehr Wasser in Dampf, was zu einem Rückkopplungseffekt führte. Die Fukushima-Reaktoren verwenden Wasser sowohl als Kühlung als auch als Moderator, was bedeutet, wenn das Wasser sich erhitzt und verdampft, verlangsamt sich die Reaktion stattdessen. (Der Effekt der Verwandlung des Kühlungswassers in Dampf auf den Betrieb eines Reaktors ist als „Hohlraum-Koeffizient“ bekannt und kann positiv oder negativ sein.)

-          Tschernobyl war so aufgebaut, dass, wenn sich die Brennstoffe erhitzten, die Reaktion sich intensivierte, wodurch der Kern noch mehr erhitzte, was einen weiteren Rückkopplungseffekt zur Folge hatte. In Fukushima verlangsamt sich die Reaktion, sobald der Brennstoff sich erhitzt. (Der Effekt des Aufheizens des Brennstoffes auf den Betrieb eines Reaktors ist als „Temperatur-Koeffizient“ bekannt und kann ebenfalls positiv oder negativ sein.)

-          Der Graphit-Moderator in Tschernobyl war brennbar und als der Reaktor explodierte, verbrannte das radioaktive Graphit und landete in der Atmosphöre. In Fukushima wird Wasser als Moderator verwendet, das natürlich nicht brennbar ist.

Beachtet, dass Tschernobyl zwar Leichtes Wasser (als Unterschied zu Schwerem Wasser) zur Kühlung verwendete, es aber kein Leichtwasserreaktor war. Der Ausdruck LWR wird ausschließlich für Reaktoren verwendet, die Leichtes Wasser sowohl für Kühlung, als auch für Neutronen-Moderation verwenden.

Das was Tschernobyl am Nähesten kommen könnte, wäre wenn die verbrauchten Brennstäbe Feuer fangen und weiter brennen würden. Dies könnte größere Mengen radioaktiven Rauchs verursachen, der viel gefährlicher als der abgelassene Dampf wäre, da er viel länger haltbares radioaktives Material enthalten würde. Bisher scheint dies verhindert worden zu sein, aber die Möglichkeit bleibt.

Die Nachrichten sprechen trotzdem vom schlimmsten Atomkraft-Unfall seit Tschernobyl.

Das heißt nicht viel, wenn man sich die Wettbewerber ansieht. Die IAEA wertet Nuklear-Vorfälle auf einer Skala, wobei Stufe 4 für einen „Unfall mit lokalen Folgen“ steht; die Fukushima-Situation ist das einzige Ereignis seit Tschernobyl 1986, das tatsächlich ein Kraftwerk beinhaltet, wodurch nicht außergewöhnlich ist, das Fukushima das „Schlimmste“ ist.

Dies ist ein sehr ernst zu nehmender Unfall, aber bisher ist es kein Tschernobyl. Es gab keine Todesfälle, keinen Ausfall der Containments und keine Freisetzung langlebigen radioaktiven Materials.

Ist es wie Three Miles Island?

Es gibt Ähnlichkeiten. Bisher ist das freigesetzte radioaktive Material größer als in TMI, aber wie bei TMI gab es keine Tode. Ebenso wird, egal wie es ausgeht, der PR-Schaden für die Atomindustrie ebenso immens sein.

Woher wissen wir, dass die japanische Regierung und TEPCO nicht lügen?

Bei Tschernobyl hat die sowjetische Regierung versucht, es unter Verschluss zu halten. Es hat nicht funktioniert, teils deshalb, weil das radioaktive Material durch die Ausrüstung an Reaktoren und Universitäten anderer Länder entdeckt wurde. Es ist extrem schwer, diese Art von Vorfällen geheim zu halten.

Der US Aircraft Transporter Ronald Reagon ist nuklear betrieben und hat deswegen dieselbe Art von Identifizierungs-Ausrüstung, die auch ein Bodenreaktor hat. Zurzeit befindet er sich vor der Küste Japans und hat nichts entdeckt, was den Aussagen TEPCOs und der Regierung widersprechen würde.

Dennoch wurde das Feuer im Gebäude von Reaktor #4 mehrere Stunden lang nicht berichtet. Das hat viele Menschen in Japan und im Ausland dazu geführt, die Korrektheit der Aussagen zu bezweifeln. Zusätzlich ist das Vorhandensein verbrauchter Brennstäbe nach einer solchen Katastrophe beunruhigend, da man normalerweise erwarten würde, das solch gefährliches Material bei erster Gelegenheit in ein sicheres Lager gebracht würde.

Der Glaube in die Fähigkeit TEPCOs, mit dieser Situation umzugehen wurde erschüttert, aber sie wären nicht in der Lage, irgendwelche Ereignisse, die in einer Freisetzung radioaktiven Materials enden würden, zu verbergen. Das wissen sie und es scheint kaum möglich, dass sie es versuchen.

Durch die Aufrichtigkeit der Regierung, dazu gehört das offene Eingeständnis des Premiermininisters ernsthafter Probleme in Fukushima Eins zusammen mit der Bitte, Ruhe zu bewahren, scheint es unwahrscheinlich, dass sie wissentlich über zukünftige Entwicklungen lügen würden. Die Zeit wird es zeigen.

Wie kann ich den Entwicklungen folgen?

Einige westliche Medien zeigten sich bei der Berichterstattung über dieses Ereignis ziemlich schlecht, aufgrund einer Kombination sensationalistischer Berichterstattung, Ignoranz, Spekulation und den Gebrauch unexakter und unerklärter Terminologie. In vielen Fällen zeigt dasselbe Netzwerk sowohl solide Informationen als auch Sensationalismus. Es gibt keine einzige vertrauenswürdige Quelle.

Viele der Informationen in dieser FAQ stammt aus Live-Pressekonferenzen und Nachrichtenberichten, aber die Übersetzungen der westlichen Netzwerke sind nicht sehr zuverlässig, und wenn man nicht gerade Japanisch spricht, nicht sehr hilfreich.

Die Pressemitteilungen von TEPCO waren bisher als glaubwürdig angesehen, aber neuere Entwicklungen führen zu einigen Zweifeln. Außerdem ist aufgrund des hohen Traffics die Website nicht immer erreichbar.

Andere Institutionen stellen akkurate Neuigkeiten auf Englisch zur Verfügung, wenn auch nicht immer aktuell, dazu gehören die Internationale Atomenergie-Organisation, die Japanese Nuclear and Industry Safety Agency und das Büro des japanischen Premierministers.

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